INTERVIEW „Warum Sicherheit“

„Warum Sicherheit?“

Ein Interview zum Thema Ausbildung Sicherheitskraft mit Bahnspezifik am BWBZ versus Sicherheitskraft gemäß IHK § 34a GewO



Die private Sicherheitswirtschaft wächst rasant. Der Bedarf an aktiven Sicherheitskräften steigt enorm. Wir befragten Dirk Vogel, Geschäftsführer des BWBZ, welches Anliegen das Unternehmen in seiner Ausbildung Sicherheitskraft mit Bahnspezifik verfolgt.


Interessent: „Herr Vogel, was wird bei Sicherheit unterrichtet?“

Dirk Vogel: „Das BWBZ bildet Sicherheitskräfte aus, insbesondere Sicherheitskräfte für das Bahnverkehrswesen. Das Bestehen der Sachkundeprüfung bei der Industrie und Handelskammer gem. § 34 a der Gewerbeordnung ist Ziel für alle meine Teilnehmer. Aufgrund dieser Gewerbeordnung dürfen diese dann verschiedene Tätigkeiten ausführen im Bereich Sicherheit, darunter Kontrollgänge im öffentlichen Raum wie in Bahnhöfen, die Überwachung der Sicherheit als Citystreife oder in Einkaufszentren. Sicherheitskräfte schützen den Handel vor Ladendieben. Oder, und das ist ein neueres Betätigungsfeld, sie schützen Gemeinschaftsunterkünfte von Migranten und Flüchtlingen, schützen Immobilien oder bewachen Großveranstaltungen wie Fußball-Spiele und mehrtägige Konzerte. Aber das sind nur Auszüge aus den rund 100 Einsatzgebieten.“

Interessent: „Welche Besonderheiten in Bezug auf die Bahn enthält Ihr Kurs?“

Dirk Vogel: „Sie bestehen bei der Ausbildung im BWBZ in der die Vermittlung von Fachkenntnissen in Zusammenhang mit der Eisenbahn, Gleisanlagen, Bahnhöfe und Besonderheiten im öffentlichen Personenverkehr. Unsere Sicherheitskräfte sollten gestärkt werden in rechtlichen und psychologischen Grundlagen, welche für die Ausübung der Tätigkeit unverzichtbar sind und, das ist unsere echte Motivation: Gefahrensituationen schon sehr frühzeitig lernen zu erkennen und Konflikte deeskalierend lösen. Zudem durchlaufen die Teilnehmer die sogenannte G25-Prüfung, welche eine Tauglichkeitsprüfung zur Berechtigung zum Betreten von Gleisanlagen darstellt.

Fokussierend möchte ich anfügen, dass wir den Stoff im Bahnwesen, darunter Grundlagen der Bahn und dem Bahnverkehr sowie der Eisenbahnverkehrsbranche, vermitteln. Bezüglich der Sicherheitstätigkeit werden bspw. Inhalte wie sicherheitsrelevante Akteure, Umgang mit Randgruppen, die Vielseitigkeit von Fundsachen aber auch situatives Verhalten behandelt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den Themen Erste-Hilfe und Brandschutz.

Interessent: „Was hat die Ausbildung mit der IHK zu tun?!

Dirk Vogel: „Um im Sicherheitsumfeld operativ tätig werden zu können, benötigen Personen mindestens eine entsprechende Sachkunde, die sie bspw. mit erfolgreichem Ablegen der Sachkundeprüfung gem. § 34a GewO bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer nachweisen. Darauf aufbauend können bspw. zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten bis hin zur beruflichen Umschulung oder einer Berufsausbildung erworben werden. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf die Broschüre 111 Tätigkeiten des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft. Die gesamte Vielfalt kommt hier zum Ausdruck und ist empfehlenswert für Umschüler vom Jobcenter, der Agentur für Arbeit oder auch für Privatpersonen, die im Bewachungsgewerbe tätig sein wollen.“

Interessent: “Man findet auch zwei Wochen Kurse…?!“

Dirk Vogel: „Umso kürzer der Kurs, umso besser die Schule, meinen Sie? Da gibt es eine Menge Vielfalt auf dem Markt, die ich eher unkommentiert lassen möchte. Ich stelle dafür in den Raum, dass es meiner Ansicht nach nicht möglich ist, den überaus kompakten Stoff vermittelt zu bekommen, um dann eine IHK Prüfung in angemessener Qualität ablegen zu können geschweige denn handlungssicher in der Praxis aufzutreten. Wichtiger ist, sich dem Beruf auf Augenhöhe und Schritt für Schritt zu nähern, um ihn dauerhaft auszuüben.

Interessent: „Warum hat der Gesetzgeber einer Sachkundeprüfung in den Raum gestellt? Kann man nicht einfach so etwas bewachen?“

Dirk Vogel: „Dafür gibt es viele Gründe. Zuerst dient sie natürlich der Qualitätssicherung. Denn nur fachkundiges Personal darf verantwortungsvolle Aufgaben wie oben beschrieben durchführen. Zudem muss das eingesetzte Personal aber auch in der Lage sein angemessene und korrekte Maßnahmen in Stresssituationen einleiten zu können und auch durchzuführen. Dabei leisten wir den Grundstein, eine regelmäßige Fortbildung ist jedoch deshalb nicht unnötig und sollte ständig erfolgen – getreu dem Motto: Lebenslanges Lernen. Unterscheiden möchte ich zudem die Begriffe Sicherheitskraft und Sicherheitsfachkraft. Ersteres wird man durch die bereits genannte IHK-prüfung, hierbei können auch Aufbaumodule darauffolgend abgelegt werden. Zweiteres wird man eher durch die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit oder durch einen Berufsausbildung die drei Jahre in Anspruch nimmt. Beides benötigt also etwas mehr Zeit und ist eher für andere Ebenen der Sicherheit konzipiert.“

Interessent: „Wie ist die Lage der Sicherheitswirtschaft?“

Dirk Vogel: „Die private Sicherheitswirtschaft und deren rund 270.000 Sicherheitskräften sind heute mehr denn je Mitverantwortliche und so genannte Akteure der Sicherheitsarchitektur in Deutschland – das sagt der BDSW (Bund Deutscher Sicherheitswirtschaft). Die Akteure tragen zur privaten und öffentlichen Sicherheit in diversen operativen Tätigkeiten bei. Dies bestätigte auch die Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK) 2008/2009. Und die Lage ändert sich stetig: Denn sowohl staatliche Einrichtungen als auch private Unternehmen erweitern ihre Felder, in denen die Sicherheitskräfte tätig sind.

Interessent: „Wir danken für das Gespräch.“